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seine eigene Meinung, und wenn er ihr auch nur durch
Kopfschütteln und Achselzucken Ausdruck gibt. Er lässt sich von
einem anderen Leben viertelstundenlang vorreden, ohne eine
Miene zu verziehen, dann aber, am Schlusse der Rede des
Hochwürdigen, reckt er die Rechte mit einer ganz unnachahmlichen
Gebärde von sich, als wäre sie der ausgereckte Arm eines
verfallenen Wegzeigers, der ins Blaue weist, und dabei sieht der
alte Sünder selber wie der fleischgewordene Zweifel aus.
Was hat es sich der gute Seelenhirte für Zeit und Mühe kosten
lassen, bei diesem sonst so gefügigen Stücke seiner Herde den
Unglauben an ein Hauptstück christlicher Lehre zu bekämpfen. Es
hat nichts gefruchtet. Einmal fasste er den alten Traidmann, dessen
dankbare Empfindungen gegen den himmlischen Wohltäter nicht zu
bestreiten waren, bei der Gefühlsseite an, und fragte ihn, ob er
denn nicht das Verlangen verspüre, seinen gütigen überirdischen
Vater von Angesicht zu Angesicht zu sehen?
"Dös schon", meinte der Fromme, "wann's leicht sein kunnt' und
möglich war, dass mer dabei mit ihm alloan sein tät' und bleib'n
möcht'! Aber so kam ja all das Menschweri (Menschenwerk), mit
dem mer im Leb'n z'tun g'habt hat, a dazua, und ich mag koan
solch's begegnen, ich!"
Was ihm ein solches Begegnen unangenehm machen konnte, oder
was es ihn fürchten liess, darüber sprach er sich nicht aus; da er
aber doch nicht vermessen genug war, zu hoffen, Gott werde in
einer Ewigkeit unter drei Augen - Gott hat nur eines, wie man oft
aufgemalt sieht - den Himmel mit ihm teilen, so schloss er den
letzteren, um unliebsamen Begegnungen auszuweichen, einfach
zu, steckte den Schlüssel ein und verlor ihn aus der Tasche.
Einmal hätte er sich nahezu einem fabulierenden Freigeiste
gefangen gegeben, der sehr einleuchtend davon zu reden wusste,
dass die Seelen der Verstorbenen auf den Sternen sich ansiedelten
und daher eine Gefahr des Wiederfindens ziemlich ausgeschlossen
erscheine, aber der kluge Traidmann erklärte bald, dass er auch
davon nichts wissen wolle, "denn was möcht' mer denn a af so oan
Stern onfonga, worauf mer sich doch gar koan kloan bissel
auskenna kinna kunnt'?"
So blieb er denn auf seinem Wunsche bestehen, "so a zwanz'g
Jahrl'n halt noch", und wird darauf bestehen bleiben, und wenn er
hundert alt würde; das ist auch gar nicht so unbescheiden für einen
Mann, den Gott gern hat, wofür ja auch diesem der Traidmann,
soviel nur möglich, zu Gefallen lebt und oft genug vor dem Pfarrer
erklärt: "Er wär' sein' Tag, mit koan'm Menschen lieber umgangen,
als mit 'm lieben Herrgott'n, und der wär' völlig ihm gleich, wie er
selber!"
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