| |
Franz.
Wohl ihm! Ich wollte, sie läuteten's für mich!
Vroni (hat das Fenster geschlossen und kommt wieder an
ihren früheren Platz).
Geh! Was tust denn jetzt auf einmal so verzagt und kaum vor a
Stund warst noch mein kuraschierter Bub, der morgen mit mir
in die Berg' und dann lustig in die weit' Welt geht!
Franz (wehmütig lächelnd).
In die Berge?! So zerschlagen an Leib und Seele, wie ich mich
fühle, kann ich ihnen nur mit den Augen beikommen! In die
Welt?! Oh, als ich das sagte, war ich gesund, jetzt bin ich
krank, und da ist man ein ganz andrer, Vroni - das merke ich,
die Schande, die hereinbricht über unser Haus, die richtet's nun
mit einemmale zugrund, die überleb ich, so wie du mich jetzt
siehst, nicht - es ist wohl besser so!
Vroni.
Red nit so! Ich hätt wahrlich kein' Freud' an mein' Recht, wann
du so übel dabei fahrest. Du bist der best', der liebst' Freund,
den ich auf der Welt hab, ich wüsst kein' andern!
Franz.
Ich dank dir, Vroni - es ist mir recht lieb, dass du zur Stunde um
mich bist, dass ich dich bitten kann: Bewahr mein Angedenken!
Horch, sie haben zu läuten aufgehört und unten in der Hütten
beten sie wohl noch für den, der den letzten Weg gegangen -
wohin?! Ich gehe ihn gerne, wohin er auch führt. Ich denke, wie
dort unten auf dem kleinen Friedhofe - wo auch deine Mutter
ruht - das stille Herz doch in einem Stückchen Heimat gebettet
schliefe und wie alle Not und Schande nicht mehr daran rühren
könnte. - Du wirst wohl wilde Rosen für das Grab deines
Freundes haben - ihr werdet doch zu meinem Hügel kommen?
- Du und der Toni, wenn ihr versöhnt seid, wenn beide Höfe in
eins sind - die reichsten Bauersleut' zum Grabe des ärmsten
Bauernsohnes? Du magst es ja dem Toni sagen, er wird mir
diese letzte Liebe nicht neiden!
Vroni (einen Augenblick fein lächelnd).
Was kümmert dich der Bub?! (Ernst.) Wenn er jetzt käm, von
oben bis unten im goldigen G'wand wie a Prinz, und du stündst
neben, wie d' da bist, in deiner verrissenen Lodenjopp', krank
und schwach, ich saget ihm: »Das ist mein Freund, du
nimmer!« - Siehst und so bleibet der Kreuzweghof und sein'
Bäurin einschichtig! Nein, Franz, du musst nit so traurig
daherreden - leb fein fort, ich bitt dich recht schön, denk dir's
aus, wie am Morgen die Berg' aufleuchten, wo du g'sagt hast,
sie soll'n dir die Kinderjahr und die Heimat im Herz auffrischen
mit ihrem goldigen Strahl, denk dir, wie die Morgenfrisch'n vom
grünen Tann hereinweht wie a kalt' Weihrauchwolken, dieweil
|  |
|
| |
|
|